Eine Welt Netzwerk Bayern e.V.
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Präsentation des Eine Welt Netzwerks Bayern und seiner Mitgliedsgruppen am 16. Februar 2005 im Bayerischen Landtag

In der Süddeutschen Zeitung vom 17.02.2005 erschien im Bayernteil dazu folgender Artikel:

Entwicklungsland Bayern

Eine-Welt-Gruppen fordern mehr Engagement des Freistaats

Keine 14 Tage lag die Flutkatastrophe in Südasien zurück, als dieStaatsregierung "konkrete Hilfen" für die Opfer beschloss:Schulpartnerschaften etwa werde sie unterstützen, versprach MinisterpräsidentEdmund Stoiber.Als er das hörte, wunderte sich Walter Ulbrich, der vor 30 Jahren in Puchheim(Landkreis Fürstenfeldbruck) den Verein "Campo Limpo" mitbegründete, derzahlreiche Entwicklungsprojekte in Brasilien unterstützt.Und Ulbrich ärgerte sich:"Solche Partnerschaften machen wir schon lange, nur wurden die nie gefördert."Von "kurzfristigen Hui-Aktionen" halte er gar nichts.

Entwicklungspolitik sei in Bayern ein Stiefkind, sagt Ulbrich.Zwar flossen zuletzt laut Wirtschaftsministerium knapp 4,5 Millionen Euro ausdem Staatshaushalt in diesen Bereich - im Vergleich zu anderen Bundesländernist das Mittelmaß."Das dient aber hauptsächlich der Unterstützung von Exportmärkten", kritisiertUlbrich.So rechne das Ministerium in diese Zahl zum Beispiel die Lieferung vonSolarzellen nach Indonesien ein - und gebe doch selber zu, dass dies primärder "Verbreiterung der industriellen Photovoltaikbasis" hierzulande diene und"Aspekte der Entwicklungszusammenarbeit" nur streife.Mit Armutsbekämpfung, zu der sich auch die Staatsregierung vor Jahren selbstverpflichtet hat, habe das wenig zu tun, moniert Ulbrich.Anders als in Rheinland-Pfalz etwa, das sich als Partnerland Ruanda gewählt habe.

Solche Kritik von Eine-Welt-Gruppen ist nicht neu, allerdings ist Bewegung in dieSache gekommen.Am Mittwoch präsentierten sich die Mitgliedsgruppen des Eine-Welt-NetzwerksBayern im Landtag, um mit Politikern ins Gespräch zu kommen.Das sei ein Zeichen, sagt Netzwerk-Vorstand Alexander Fonari.Auch weil nun, seit die CSU jüngst den Abgeordneten Henning Kaul dazu bestimmthat, jede Landtagsfraktion einen entwicklungspolitischen Sprecher habe.Und die Staatsregierung erfüllte im Sommer bereits eine seit langem erhobeneForderung des Netzwerks, indem sie Staatsminister Eberhard Sinner zu derenoffiziellem Ansprechpartner kürte.Er soll fortan die entwicklungspolitischen Aktivitäten Bayerns koordinieren.Die seien so schlecht nicht, rechtfertigt sich Sinner und verweist etwa auf dieAusbildung von Agrarmanagern aus der Dritten Welt oder die Unterstützung einesAids-Projekts in der südafrikanischen Partnerregion Westkap."Natürlich hängt Entwicklungspolitik immer auch mit wirtschaftlichen Interessenzusammen - die sind aber keine Bedingung."

Doch noch ein zweiter Schuh drückt die Eine-Welt-Netzwerker: "DieZusammenarbeit der Staatsregierung mit uns ist - freundlich gesprochen -ausbaufähig", sagt Fonari.Die Informations- und Bildungsarbeit der Gruppen vor Ort werde nichtunterstützt."Hier ist Bayern ein Entwicklungsland."Im vergangenen Jahr, als der Bund ein Programm zur Unterstützung vonEine-Welt-Gruppen auflegte, hätten andere deutsche Landesnetzwerke auf ihnenzustehendes Geld verzichtet, um in Bayern Entwicklungshilfe zu leisten.Der Bund hat auch für dieses Jahr Zuschüsse zugesagt, allerdings erwartet ereine entsprechende Beteiligung des Freistaats.Erster Erfolg der gestrigen Präsentation des Eine-Welt-Netzwerks:Eberhard Sinner versprach, darüber nachzudenken.

Kassian Stroh

(Mit freundlicher Genehmigung der Süddeutschen Zeitung und der DIZ München GmbH.)